Die Waschfrau vom Emder Hafen. Eine Geschichte von Paul Luitjens

In den mittleren fünfziger Jahren war ich bei der christlichen Seefahrt. Ich fuhr auf einem Emder Frachter. Wir waren von Narvik gekommen und hatten am Erzkai unsere Ladung gelöscht und wollten in die Seeschleuse verholen. Ich stand am Kai zwischen einer kleinen Schar von Zuschauern, die beobachteten, wie ein großer amerikanischer Steamer an die Kajung bugsiert wurde. Neben mir stand ein dralles Mädchen, jung und hübsch und mit einem Korb im Arm. So ein richtiges ostfriesisches Vollblutmädel. Ich sprach sie an: Na, lüttje Frollein, wullt di dat ok äben ankieken?" - "Nä", sagte sie, "ik hal hier aaltied de Wasge van Bord, Ik wasg vöer de Offizieren." - "Wo kummst dor denn mit torecht, ik meen, mit dat engelsk Prooten?" - "Best", war die Antwort. Inzwischen hatte das Schiff festgemacht, die Gangway herunter gelassen und ein baumlanger Yankee steuerte in direktem Kurs auf das Vollblut los. "What do you want (was wünschen Sie)?" fragte er. "Wor ik wahn", sagte sie, "dor günnert an de Ketelslüse." - No, no, what´s your name (wie ist ihr Name)?" - "Wat ik dorvoer neem? Dat kummt dor up an, wo wie beid minanner klor kamen." - "Damned", bellte der Seemann los, "go to hell (geh zur Hölle)!" Und freundlich und mit lieblichem Augenaufschlag sagte die liebe Kleine: "Ja, dat is ok wohr, ik koom naderhand eben weer, wenn´t düster ist."


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